Archive for the ‘Presse’ Category

LVZ Print, Delitzsch 26.03.2012:Standpunkt

Mittwoch, März 28th, 2012

Extremer Aufwand

Von Frank Pfütze

Der Aufwand, der gestern in Delitzsch betrieben werden musste, um eine Demonstration zu begleiten, ist enorm. Hunderte Polizisten und Einsatzkräfte mussten dafür sorgen, dass der sonnige Nachmittag auch friedlich blieb. Meinungsfreiheit und Demokratie werden arg strapaziert, wenn jederzeit der Kleinkrieg zwischen Rechts und Links loszubrechen droht. Sachsens Polizeipräsident, Landrat und Oberbürgermeister haben vor Ort die Lage verfolgt. Das verdeutlicht die Situation. Es zeigt aber auch, wie ernst die Sache genommen wird. Denn es gibt zu dieser Polizeipräsenz und zu diesem konsequenten Vorgehen keine Alternative. Dabei ist es völlig egal, ob Nazis oder Linksextreme auf der Straße marschieren oder Abseits stehen, um zu stören. Demokratie muss mitunter sehr aufwendig verteidigt werden. Es ist keine einzelne Wurzel, es sind Wurzeln, die extrem nach rechts und links austreiben, um diese Demokratie zu unterwandern. Dem ist nur mit engagiertem und konsequentem Handeln entgegenzutreten. Wie das in der Praxis aussieht, war gestern in Delitzsch zu verfolgen. Darum ist der Aufmarsch relativ friedlich über die Bühne gegangen.
@f.pfuetze@lvz.de

 

Pressemitteilung 23.03.2012

Freitag, März 23rd, 2012

Demonstration “Naziterror entgegentreten. Immer und überall.” am 25.3.2012 in Delitzsch in Reaktion auf den Naziübergriff am vergangenen Wochenende. Skandalöse Positionierung der offiziellen Stadtpolitik gegenüber den Betroffenen

Pressemitteilung der OrganisatorInnen der Demonstration (Antifaschistisches Netzwerk Leipziger Land), 23.3.2012

Am Morgen des 18.3.2012 wurde in Delitzsch eine Gruppe nicht-rechter Menschen von Nazis angegriffen. Zu zwanzigst schlugen diese auf zwei der von einem Ska-Konzert kommenden Leute ein. Ein Musiker aus Tschechien wurde so schwer verletzt, dass er wohlmöglich bleibende Schäden davon tragen und auf einem Auge nicht mehr sehen wird. Außerdem wurde eine Frau gegen den Kopf geschlagen.

Das Antifaschistische Netzwerk Leipziger Land hat für Sonntag, 25.3.2012 eine Demonstration angemeldet. Damit soll öffentlich, hör- und sichtbar Position gegen Nazigewalt und rechte Alltagskultur bezogen werden.

“Nazi-Übergriffe wie der am 18.3.2012 dürfen nicht kommentarlos stehen bleiben. Rechter Gewalt und den dahinter stehenden menschenverachtenden Einstellungen muss immer und überall entgegengetreten werden! Dies scheint die offizielle Politik der Stadt Delitzsch nicht so zu sehen. Gegenüber dem Veranstalter des Konzertes vom vergangenen Wochenende äußerte der Oberbürgermeister unmissverständlich, dass eine öffentliche Positionierung gegen Nazis nicht erwünscht sei, weil dies den sozialen Frieden störe.
Damit wiederholt sich in Delitzsch das, was in vielen sächsischen Städten Gang und Gäbe ist: Opfer von Nazigewalt und die, die sich öffentlich gegen menschenverachtende Einstellungen positionieren, werden zu Tätern gemacht. Das ist ein Skandal!”, so die OrganisatorInnen der Demonstration.

Der Vorfall vom 18.3.2012 ist nicht der erste dieser Art. So wurde der Veranstalter des Ska-Konzertes regelmäßig von Neonazis angegriffen.Regelmäßig berichten zivilgesellschaftliche Gruppen und die Polizei über neonazistische Schmierereien im Ort.
2009/ 2010 wurde ein junger Mann so sehr bedroht, dass er schließlich aus Delitzsch wegzog. Mehrfach wurden auf der Internetseite der örtlichen neonationalsozialistischen „Freien Kräfte“ detaillierte Informationen über ihn, seinen Wohn- und Arbeitsort und seine familiären Verhältnisse veröffentlicht. Verhöhnungen, Verleumdungen und auch tätliche Angriffe waren an der Tagesordnung.
Nicht zuletzt allerdings lebt in der Stadt einer der führenden Kader der NPD in Sachsen, Maik Scheffler. Dieser sitzt nicht nur im Delitzscher Stadtrat, sondern ist auch Vorsitzender der NPD Nordsachsen und stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Sachsen. Er gilt als Begründer des Nazinetzwerkes “Freies Netz” und zentrale Schnittstelle zwischen NPD und “Freien Kräften”.
2009 verkündete er, dass er den Landkreis Nordsachsen zur „zweiten sächsischen Schweiz der NPD“ machen, sprich eine rechte Hegemonie schaffen wolle.
“Dies werden wir nicht dulden! Wir laden die BürgerInnen der Stadt Delitzsch und alle, die sich solidarisch mit den Betroffenen erklären wollen, ein sich uns anzuschließen.”

Die Demonstration beginnt am Sonntag, 25.3.2012, 14 Uhr am Unteren Bahnhof in Delitzsch.

 

LVZ Delitzsch-Eilenbureg, 21.03.2012

Donnerstag, März 22nd, 2012

Schwerverletztes Opfer des Überfalls am Montag am Auge operiert

Ermittlungen nach Prügelattacke im Anschluss an Ska-Konzert dauern an / Veranstalter lobt schnelle Reaktion der Polizei

Delitzsch (red). Ob Ärzte sein Augenlicht retten können, ist auch nach der am Montag in einer Leipziger Spezialklinik erfolgten Operation nicht sicher. Der Tscheche gehörte zu den Besuchern eines Ska-Konzerts im Jugendclub Yoz in Delitzsch, die am Sonntagmorgen Opfer eines brutalen Überfalls wurden (wir berichteten). Der Mittdreißiger wurde am schwersten verletzt, eine Frau erlitt durch einen Schlag gegen den Kopf leichte Verletzungen. Wie es hieß, haben die Verletzten Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

„Ich weiß, dass der Angriff mir galt, es war nicht das erste Mal“, sagte gestern der Veranstalters des Konzerts (Name ist der Redaktion bekannt) der Kreiszeitung. Umso mehr zeigte er sich betroffen, dass „im Prinzip Unbeteiligte“ attackiert wurden. Bei der verletzten Frau handelt es sich um seine Partnerin. „Damit wurde deutlich eine Grenze überschritten, das kann ich nicht akzeptieren“, sagte er weiter und will nun in die Offensive gehen. Die acht Personen, denen in der Mittelstraße aufgelauert wurde, konnten der Polizei genaue Personenbeschreibungen, teils auch Namen mitgeben. „Wir hoffen damit die Ermittlungen zu beschleunigen“, so der Konzertveranstalter. Er lobte ausdrücklich die Polizeibeamten und den Rettungsdienst, die nur wenige Minuten, nachdem der Hilferufe abgesetzt wurde, eintrafen. „Man hat sich sehr umsichtig um uns gekümmert, die Ermittlungen sofort aufgenommen.“ Gute acht Stunden hätten die Betroffenen auf dem Revier zugebracht, um ihre umfangreichen Aussagen zu machen. „Die Beamten bewiesen viel Geduld mit uns, schließlich haben wir das Jugendhaus nicht ganz nüchtern verlassen“, räumte der Delitzscher Konzertveranstalter ein. Er habe sehr wohlwollend mitbekommen, dass die Polizei sehr akribisch Beweise am Tatort gesichert habe. „Leider habe ich auch schon andere Erfahrungen gemacht.“

Der 27-jährige Delitzscher hoffe nun nach dem Vorfall, dass „auch die Stadtverwaltung genauer hin- und nicht wegschaut“. „Wir sind gesprächsbereit.“ Während der Veranstaltung, zu der um die 200 Leute kamen, habe es weder im Inneren noch im Umfeld des Jugendhauses Auseinandersetzungen oder Provokationen irgendwelcher Art gegeben. Der Veranstalter sprach von einer friedlichen, ausgelassenen Stimmung, „alle haben Spaß gehabt, schließlich war es die Geburtstagsparty des Yoz“.

 

LVZ Print, 20.03.2012

Donnerstag, März 22nd, 2012

Prügelattacke auf Konzertbesucher

Delitzsch (cj). Ein Konzert am vergangenen Wochenende gipfelt nun in Ermittlungen des Staatschutzes. Mit einer laut Polizei linksorientierten Ska-Veranstaltung hatte das Jugendhaus Yoz am Samstagabend seinen 13. Geburtstag gefeiert. Gegen 6.15 Uhr machten sich acht Konzertbesucher, davon drei tschechische und ein slowakischer Staatsbürger, von der Sachsenstraße aus auf den Weg nach Hause. Die Gruppe, so teilte die Polizeidirektion Westsachsen gestern mit, wurde dabei von einem Mann beobachtet, der telefonierte.

Kurze Zeit nach diesem Telefonanruf wurden die Konzertbesucher im Bereich der Mittelstraße 7 plötzlich von zirka zehn Personen überfallen. Ein 33-Jähriger Tscheche wurde bei der Auseinandersetzung massiv und schwer am Kopf verletzt. Eine 30-jährige Delitzscherin bekam einen Schlag gegen den Kopf, wurde leicht verletzt. Der 33-Jährige musste zur weiteren Behandlung in eine Klinik gebracht werden. Die Ermittlungen zu den Tätern hat nun der Staatsschutz übernommen, es geht um Landfriedensbruch und schwere Körperverletzung. Die Polizeidirektion Westsachsen sucht zudem weitere Zeugen zu Personen- und Fahrzeugbewegungen zu dieser Zeit in und um die Delitzscher Mittelstraße. Hinweise können bei der Polizeidirektion unter der Rufnummer 0341/255100, im Delitzscher Revier unter der Rufnummer 034202/660 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle abgegeben werden.

 

19.03.Radio Corax: Interview mit Betroffenen des Übergriffs

Donnerstag, März 22nd, 2012

Es kam heute bei uns eine Meldung rein, die uns sehr erschreckt hat. In der Tagespresse war noch nichts darüber berichtet worden. Am Samstag fand in Delitzsch ein Ska Konzert mit anschließenden DJ statt. Nach diesem besagten Konzert überfielen Neonazis den Konzertveranstalter, seine Freundin und zwei tschechischen Freunde. Was genau passiert ist, kann uns jetzt Tony Müller sagen. Er war der Konzertveranstalter vom Konzert am Samstag.

Interview hier

LVZ-Online 20.3.2012

Donnerstag, März 22nd, 2012

Schläger attackieren Ska-Musiker in Delitzsch – rechtsradikaler Hintergrund vermutet

Leipzig. In Delitzsch sind am vergangenen Wochenende Musiker und Besucher eines Konzertes von unbekannten Schlägern angegriffen und verletzt worden. Wie die Polizeidirektion Westsachsen mitteilte, war die Gruppe am Sonntagmorgen gegen 6.15 Uhr nach der Veranstaltung im Delitzscher Jugendhaus YOZ auf der Mittelstraße unterwegs. Die acht Personen, darunter auch der Veranstalter des Konzerts, dessen Freundin und zwei tschechische DJs, seien dabei von einem Mann beobachtet worden, der daraufhin zum Mobiltelefon griff.

Kurz nach dem Telefonat wurden die Konzertbesucher in Nähe des Nordplatzes von mehreren Dutzend Unbekannten angegriffen. Die Polizei spricht von zehn Schlägern, nach Angaben der Opfer seien es bis zu 20 gewesen. Einer der beiden tschechischen DJs wurde bei der Auseinandersetzung so schwer am Kopf verletzt, dass er anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Der Konzertveranstalter und dessen Freundin trugen von den Schlägen und Tritten leichte Blessuren davon.

Laut der Mitteilung einer am Konzert beteiligten Ska-Band waren die Angreifer stadtbekannte Delitzscher Neonazis. Die Polizei wollte einen rechtsradikalen Hintergrund zumindest nicht ausschließen. „Es wird in alle Richtungen ermittelt, auch in diese“, sagte Polizeisprecher Michael Hille gegenüber LVZ-Online. Die Polizeidirektion bittet Zeugen, die den Überfall gesehen haben, sich unter (0341) 25 51 00 oder in jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.