Archive for the ‘Aktuell’ Category

LVZ Print, Delitzsch 26.03.2012:Drei Stunden Ausnahmezustand

Mittwoch, März 28th, 2012

Demo gegen Rechts zieht durch die Stadt

Delitzsch. Ein Großaufgebot der Polizei in der Stadt, davon zum Teil völlig überraschte Delitzscher, lautstarke verbale Auseinandersetzungen. Das Antifaschistische Netzwerk Leipziger Land hatte gestern Nachmittag zur Demo in Delitzsch geladen. Hintergrund: Der rechte Überfall auf eine Gruppe von Konzertbesuchern in der Nacht zum 18. März (wir berichteten), zu dem inzwischen der Staatsschutz ermittelt. Schon im Vorfeld der Demo und immer wieder während sie durch die Loberstadt zog, wurden Vorwürfe laut, die Delitzscher Stadtverwaltung mache die Opfer zu Tätern.

Von Christine Jacob

„Unwahr“, wehrt sich die Stadtverwaltung in einer Stellungnahme. Man verwahre sich gegen jede Form extremistischer Gewalt, insbesondere aus dem rechten Spektrum. „Delitzsch ist keine Stadt, die Anhängern aus der rechten Szene eine Plattform bietet. Wir sind bunt und möchten dies auch bleiben“, so Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) in dem Rathaus-Statement. Er und weitere Stadtvertreter beobachteten gestern die Demo.
Ab 13 Uhr versammeln sich immer mehr Teilnehmer am Unteren Bahnhof. „Es sind fast nur externe Teilnehmer, kaum jemand von hier, sondern die Leipziger“, bedauert Landtagsabgeordneter Thomas Kind (Die Linke) angesichts der rund 250 Menschen. Zu spät hätte man hier vor Ort davon erfahren, keine Chance gehabt, auch ein „Gesicht zeigen“ der Delitzscher zu organisieren. Nach kurzer Kundgebung am Unteren Bahnhof, man demonstriere „für die Menschen hier“ setzt sich der Zug kurz nach 14 Uhr in Bewegung. Erstes Stocken wenig später: Verbal prallen Linke und Rechte, die wenige hundert Meter weiter in der Eilenburger Straße stehen, zum ersten Mal an diesem Nachmittag aufeinander. Die mahnenden Worte kommen wie mehrfach in diesen drei Stunden Demo aus dem Wagen der Demo-Organisatoren: „Lasst Euch nicht provozieren!“
Langsam geht es weiter über die rund drei Kilometer lange Strecke. Am Nordplatz, wenige Meter weiter fand der Überfall statt, gegen 15.15 Uhr eine weitere Kundgebung: Von einem schweren Imageschaden für die Stadt ist die Rede. Die lokalen Politiker würden sich lieber nach trügerischer Ruhe sehnen, als sich gegen rechte Gewalt zu stellen.
Weiter zieht der Tross die Bitterfelder Straße stadteinwärts – erreicht gegen 16 Uhr den Roßplatz, an der Wallgrabenbrücke hat sich eine Gruppe Rechter versammelt. Der verbale Schlagabtausch scheint kurz vor dem Kippen in einen körperlichen, als ein Demonstrant sich in Richtung der rechten Gruppe aufmacht. Die Polizei, alle Einsatzkräfte haben inzwischen ihre Helme aufgesetzt, bekommt die Situation allerdings schnell wieder in den Griff, kontrolliert sämtliche Nebenstraßen entlang der weiteren Route noch genauer. In der Bismarckstraße herrscht so Ruhe, bevor die Situation sich am Unteren Bahnhof, Ausgangs- und Endpunkt der Demo, wieder verschärft. Die Polizei, tönt es aus den Lautsprechern der Demo-Organisation, soll den Konzertveranstalter mitgenommen haben. Ordnungshüter und Demonstranten prallen nun auch körperlich aufeinander. Erst als der Mann wieder aus dem Polizeiauto klettert, kehrt Ruhe ein. Um 17 Uhr ist die Demo offiziell beendet.

 

LVZ Print, Delitzsch 26.03.2012:Demo-Sonntag in Delitzsch

Mittwoch, März 28th, 2012

Hunderte Einsatzkräfte sichern Antifa-Umzug ab

Delitzsch. Das Antifaschistische Netzwerk Leipziger Land hat gestern von 14 bis 17 Uhr eine Demonstration unter dem Motto „Dem Naziterror entgegentreten – Demonstration in Reaktion auf den Naziübergriff am 17./18. März“ in der Stadt Delitzsch durchgeführt. Um es vorweg zu nehmen, es blieb friedlich. Ungefähr 250 Teilnehmer marschierten durch die Stadt. Eine Hundertschaft der Bundespolizei und Kräfte der Polizeidirektion Westsachsen sicherten den Umzug ab.

Von Frank Pfütze

Obwohl es immer wieder zu Provokationen und verbalen Auseinandersetzungen mit Nazis kam, die an der Strecke auftauchten, blieb es relativ friedlich in der Stadt. Der Protestzug wurde auch von einem mit Lautsprechern bestückten Kleintransporter begleitet. Der Sprecher wirkte immer wieder beruhigend auf die Teilnehmer ein: „Bleibt im Zug, lasst euch nicht provozieren, das wäre dumm vor den Augen der Polizei. Sagt dem Pack lautstark, was ihr von ihm haltet …“ Mitarbeiter der Ordnungsämter der Stadt Delitzsch und des Landratsamtes begleiteten den Umzug ebenfalls.

Bereits am Mittag hatte der Einsatzstab im Polizeirevier die erste Lagebesprechung vorbereitet. Über die Straßen der Stadt rollten Einsatzwagen und Funkstreifenwagen der Polizei. Einsatzleiter Andreas Starke, Erster Polizei-Hauptkommissar der Polizeidirektion Westsachsen, informierte gegen 13 Uhr die Spitzen aus dem Delitzscher Rathaus und dem Landratsamt Nordsachsen über den Stand der Dinge. „Wir haben heute Vormittag 40 Personen der rechten Szene in der Stadt festgestellt und ihnen einen Platz zugewiesen. Ich werde keine Veranstaltung von ihnen zulassen“, so der Einsatzleiter. Unter den Nazis, die mit hochwertiger Videotechnik ausgerüstet waren, befanden sich auch die NPD-Stadträte Kai Rzehaczek (Eilenburg) und Maik Scheffler (Delitzsch), die gegenüber der Polizei spontan eine Gegen-Demo ankündigten. Die ist jedoch untersagt worden.
110 Demonstranten der linken Szene Leipzig rollten kurz vor 14 Uhr mit dem Zug in Richtung Delitzsch. Ein Großteil der Einsatzkräfte kümmerte sich um die Rechten. Aus den 200 angekündigten Teilnehmern wurden am Ende ungefähr 250. Und die sammelten sich auf dem Parkplatz am Unteren Bahnhof (ehemals Bushaltestelle) und hielten eine Auftaktkundgebung ab. Der Stadt Delitzsch wurde ein „Naziproblem“ nachgesagt. Der Umzug zog danach durch die Eisenbahnstraße, Dübener Straße, Karl-Marx-Straße, Nordplatz, Bitterfelder Straße, Kohlstraße, Bismarckstraße und zurück zum Bahnhof. Am Nordplatz erfolgte eine Zwischenkundgebung. Gegen 17 Uhr war der Aktionstag beendet und der Einsatzleiter zufrieden. „Aus meiner Sicht ist der Einsatz sehr konstruktiv verlaufen. Die Auflagen wurden von den Demonstranten eingehalten. Es gab über die gesamte Zeit hinweg keine nennenswerten Probleme. Ich kann darum von einem ausgesprochen friedlichen Verlauf sprechen“, sagte Andreas Starke. © Standpunkt/Seite 19
@Weitere Fotos von der Demonstration in Delitzsch gibt es unter: www.lvz-online.de/ delitzsch

 

LVZ Print, Delitzsch 26.03.2012:Standpunkt

Mittwoch, März 28th, 2012

Extremer Aufwand

Von Frank Pfütze

Der Aufwand, der gestern in Delitzsch betrieben werden musste, um eine Demonstration zu begleiten, ist enorm. Hunderte Polizisten und Einsatzkräfte mussten dafür sorgen, dass der sonnige Nachmittag auch friedlich blieb. Meinungsfreiheit und Demokratie werden arg strapaziert, wenn jederzeit der Kleinkrieg zwischen Rechts und Links loszubrechen droht. Sachsens Polizeipräsident, Landrat und Oberbürgermeister haben vor Ort die Lage verfolgt. Das verdeutlicht die Situation. Es zeigt aber auch, wie ernst die Sache genommen wird. Denn es gibt zu dieser Polizeipräsenz und zu diesem konsequenten Vorgehen keine Alternative. Dabei ist es völlig egal, ob Nazis oder Linksextreme auf der Straße marschieren oder Abseits stehen, um zu stören. Demokratie muss mitunter sehr aufwendig verteidigt werden. Es ist keine einzelne Wurzel, es sind Wurzeln, die extrem nach rechts und links austreiben, um diese Demokratie zu unterwandern. Dem ist nur mit engagiertem und konsequentem Handeln entgegenzutreten. Wie das in der Praxis aussieht, war gestern in Delitzsch zu verfolgen. Darum ist der Aufmarsch relativ friedlich über die Bühne gegangen.
@f.pfuetze@lvz.de

 

1.Bericht zur Demonstration

Sonntag, März 25th, 2012

Hier die Pressemitteilung vom Antifaschistischen Netzwerk Leipziger Land zur Demonstration. Weitere Berichte mit Fotos, folgt die Tage. Wir danken allen AntifaschistInnen, die mit uns heute in Delitzsch waren.

Am Sonntag, 25.3.2012 demonstrierten in Delitzsch (Landkreis Nordsachsen) 250 Menschen gegen Nazis. Die Demonstration war eine Reaktion auf den gewalttätigen Nazi-Übergriff im Anschluss an ein Ska-Konzert am vergangenen Wochenende in Delitzsch. Dabei waren zwei Menschen verletzt worden, einer davon so schwer, dass er wahrscheinlich auf einem Auge nie wieder sehen werden kann. Die Nazis hatten den Veranstalter des Ska-Konzertes erkannt und waren auf ihn und seine BegleiterInnen losgegangen. Der Betroffene ist ihnen ein Dorn im Auge, denn er positioniert sich mit seinen Kulturveranstaltungen eindeutig gegen Nazis.

„Die alltägliche Bedrohung durch Nazis, die unter anderem nicht-rechte Menschen in sächsischen Orten zu spüren bekommen, ist unerträglich. Noch unerträglicher ist allerdings die Reaktion der Delitzscher Stadtpolitik, die einem Betroffenen des Übergriffs unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass er selbst schuld sei, wenn er sich öffentlich gegen Nazis positioniere.“ so die OrganisatorInnen der Demonstration.

Die Menschen, die sich am Sonntag mit den Betroffenen solidarisierten, ließen sich auch durch die massive Präsenz von Nazis nicht einschüchtern, die sich in der Stadt versammelt hatten und immer wieder versuchten, die antifaschistische Demonstration zu stören. In verschiedenen Redebeiträgen wurde diese rechte Hegemonie thematisiert. Die Ska-Band „Die Tornados“ forderte von der Stadtverwaltung endlich tätig zu werden, indem sie beispielsweise alternative, nicht rechte Jugendkulturen fördern solle, statt diese auch noch zu behindern.

Am Ende der Demonstration kam es zu einem skandalösen Zwischenfall. Ein Polizeibeamter, der auch bei anderen Gelegenheiten schon durch gewaltsame Übergriffe aufgefallen ist, ging brutal gegen einen der Ordner der Demonstration vor. Es handelte sich hierbei um den Veranstalter des Konzertes am vergangenen Wochenende.
„Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei aufs schärfste. Der sinnlose Zugriff der Beamten ist ein weiterer Schlag ins Gesicht des Betroffenen, der mit den Folgen des Naziübergriffs und der Ignoranz und den Anschuldigungen der Stadtpolitik sowieso schon genug zu kämpfen hat.“

Die massive Präsenz der Neonazis während der Demonstration war offensichtlich ein Versuch die eigene Hegemonie aufrechtzuerhalten. Störungen des von ihnen dominierten Normalzustandes, wie Konzerte, die sich klar gegen rechts positionieren oder antifaschistische Demonstrationen, zeigen das Ausmaß der Zustände in Delitzsch. Doch die sonst alltäglich herrschende „Friedhofsruhe“ darf eben nicht mit „sozialem Frieden“ verwechselt werden, wie dies der Oberbürgermeister der Stadt noch letzte Woche tat. Es gilt, hier anzusetzen und immer wieder gegen die rechte Dominanz zu intervenieren. Das Bedrohungsszenario für die Betroffenen darf in dieser Art und Weise nicht alltäglich bleiben!

Letzte Infos

Samstag, März 24th, 2012

Zu den Auflagen können wir nicht viel Neues sagen, das wichtigste steht eigentlich schon hier.

Während der Demo wird ein Ermittlungsausschuss (EA) aktiv sein. Der EA hilft euch, wenn ihr vor, während oder nach der Demo Stress mit der Polizei bekommt, also beispielsweise in Gewahrsam genommen werdet. Ruft den EA an, wenn ihr selbst betroffen oder ZeugInnen seid. Bitte informiert den EA auch dann, wenn ihr wieder aus dem Gewahrsam entlassen werdet.

Telefonnummer: 0341 / 211 93 13

Noch ein paar Tipps zur Anreise:

  • versucht den Cops keinen Anlass zu geben euch an der Abfahrt zu hindern
  • findet euch vorher zu Bezugsgruppen zusammen und kümmert euch schon rechtzeitig um Tickets
  • wartet nicht ewig am Treffpunkt, begebt euch wenn ihr alles habt schon zum Gleis 13

GANZ WICHTIG! HEUTE NACHT WIRD DIE ZEIT UMGESTELLT (um 2Uhr vor auf 3Uhr, „die Nacht ist also 1 Stunde kürzer“) ALSO NICHT VERPENNEN!

News

Samstag, März 24th, 2012

Kurze Zwischenmeldung zu unseren Auflagen:

Wir haben mit unserem Eilantrag gegen 10 Auflagen für die Demonstration am Sonntag Erfolg gehabt.
Eigentlich auf ganzer Linie. Die zahlenmässige Begrenzung von Transparenten, Fahnen und Flyer ist aufgehoben. Das heisst auch, dass es Seitentransparente ohne Ende geben darf. Auch das Verbot von „Uniformierung“, Bomberjacken, Springerstiefeln etc ist gekippt. Ebenso dürfen wir unsere Beschallung dafür nutzen um Menschen, die sich in Delitzsch aufhalten (AnwohnerInnen, VerkehrsteilnehmerInnen) „abzulenken“, zu „belästigen“ und „zu stören“ – schliesslich will eine Demonstration Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen.

Genauere Informationen zu den Auflagen, weitere Tipps zur Anreise und hoffentlich dann auch zum EA werden heute Abend nochmal veröffentlicht, damit ihr für morgen bestens informiert seid, also schaut nochmal vorbei.

Weitere Informationen aus Delitzsch/Pressemitteilung

Freitag, März 23rd, 2012

Weitere Hintergründe und Informationen zum Übergriff und dem Verhalten der Stadt bei Radio Corax:

Wir sind schockiert & fassungslos!

Nach dem letzten Wochenende mussten wir vom Naziüberfall in Delitzsch auf den Veranstalter und Gäste eines Konzerts mit den Tornados, Johnny Wolga und Skarface hören. Einer der Angegriffenen liegt immer noch schwerverletzt im Krankenhaus, wo er wiederholt operiert werden musste und mit hoher Wahrscheinlichkeit einseitig erblinden wird. Dass Menschen, die ins Feindschema der Nazis passen, in einigen Regionen kontinuierlich in Lebensgefahr schweben, ist für Radio CORAX an sich schon ein nicht hinnehmbarer Fakt. Was wir aber nun aus Delitzsch hören müssen, empfinden wir als derartig skandalös, dass wir nicht nur via Rundfunk darauf aufmerksam machen möchten.

(mehr …)

Aktuelle Informationen

Freitag, März 23rd, 2012

Unser Aufruf ist endlich fertig, ihr könnt ihn euch hier durchlesen. Eine Pressemitteilung von uns findet ihr hier. Ebenfalls haben wir den Auflagenbescheid für die Demonstration erhalten. Eigentlich ist es eine „Verfügung“, die die „Extremismusdoktrin“ der sächsischen Politik nun auch bei Demonstrationen umsetzt. So haben wir einen Bescheid erhalten der 1 zu 1 für Nazidemonstrationen verwendet wird.

„Nazis und AntifaschistInnen sind doch ein und dasselbe, da können sie doch auch die gleichen Auflagen bekommen“, scheint mensch sich in Delitzsch gedacht zu haben. Vielleicht wissen die Herren und Damen des Landratsamt auch gar nicht, dass es auch noch was anderes als Nazidemonstrationen gibt, wir wissen es nicht, wollen euch aber die „Highlights“ unserer Auflagen nicht vorenthalten.

Wir haben uns jedenfalls über einige Auflagen sehr amüsiert und den Auflagenbescheid einen Anwalt weitergegeben. Dieser hat 10 Widersprüche formuliert und ans Gericht weitergegeben. Wir informieren euch so schnell wie möglich über die Entscheidung.

 

1.6 Es dürfen 10 Fahnen sowie Transparente, verteilt auf den gesamten Aufzug, mitgeführt werden.

a. Von den 10 Transparenten dürfen zwei als Seitentransparente, nicht länger als 3 m und verteilt je eines auf der linken und rechten Seite des Aufzuges, und ein Frontransparent geführt werden…

b. Je 50 zusätzlicher als 200 der angezeigten Teilnehmer der Versammlung darf eine weitere Fahne sowie ein weiteres Transparent mitgeführt werden.

d. Geführt werden dürfen die Bundesflagge, die Fahnen der Bundesländer sowie der nicht verbotenen Parteien und Vereine. Die Transparente haben sich themenbezogen auf das Motto des Aufzuges zu beziehen.

e. Die Anzahl der mitgeführten Druckerzeugnisse (Flugblätter, Handzettel, Infohefte) wird entsprechende der Anmeldung auf insgesamt 2000 Stück begrenzt.

g. Durch das Verteilen von Flugblättern, Handzetteln, sonstigen Druckmedien und Werbeartikeln darf keine Belästigung und / oder Nötigung zur Annahme selbiger für Teilnehmer oder unbeteiligte Dritte entstehen.

i. Das Mitführen und Benutzen von Fackeln, Kerzen und / oder Grablichtern oder ersatzweiser Leuchtmittel im Aufzug zu den Kundgebungen ist untersagt.

j. Das Mitführen und Benutzen von Trommeln, Fanfaren und ähnlichen Musikinstrumenten sowie Fahnen, Transparenten und Spruchbändern strafbaren Inhalts ist untersagt. Insbesondere ist das Mitführen und Benutzen von Kunststoffplakaten in den Größen A1 bis A0 untersagt. Ebenso ist die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie das Tragen von Uniformen, Uniformteilen oder gleichartigen Kleidungsstücken als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung untersagt. Insbesondere ist das Tragen von Springerstiefeln, Stahlkappenschuhen, Bomberjacken, Tarnbekleidung und militärische Kopfbedeckung einzeln und in Verbindung miteinander untersagt.

1.8 Das geschlossene Marschieren in Blöcken, Zügen und Reihen und im Gleichschritt ist untersagt.

1.10 …

d. Es dürfen keine Sirenensignale, Kampf- oder Detonationsgeräusche wiedergegeben werden…

Wir halten fest, „Oldschool Nazis“ dürfen nicht auf unsere Demo, aber „(Alt-) Autonome“ mit Lederjacken schon, na dann.

Pressemitteilung 23.03.2012

Freitag, März 23rd, 2012

Demonstration “Naziterror entgegentreten. Immer und überall.” am 25.3.2012 in Delitzsch in Reaktion auf den Naziübergriff am vergangenen Wochenende. Skandalöse Positionierung der offiziellen Stadtpolitik gegenüber den Betroffenen

Pressemitteilung der OrganisatorInnen der Demonstration (Antifaschistisches Netzwerk Leipziger Land), 23.3.2012

Am Morgen des 18.3.2012 wurde in Delitzsch eine Gruppe nicht-rechter Menschen von Nazis angegriffen. Zu zwanzigst schlugen diese auf zwei der von einem Ska-Konzert kommenden Leute ein. Ein Musiker aus Tschechien wurde so schwer verletzt, dass er wohlmöglich bleibende Schäden davon tragen und auf einem Auge nicht mehr sehen wird. Außerdem wurde eine Frau gegen den Kopf geschlagen.

Das Antifaschistische Netzwerk Leipziger Land hat für Sonntag, 25.3.2012 eine Demonstration angemeldet. Damit soll öffentlich, hör- und sichtbar Position gegen Nazigewalt und rechte Alltagskultur bezogen werden.

“Nazi-Übergriffe wie der am 18.3.2012 dürfen nicht kommentarlos stehen bleiben. Rechter Gewalt und den dahinter stehenden menschenverachtenden Einstellungen muss immer und überall entgegengetreten werden! Dies scheint die offizielle Politik der Stadt Delitzsch nicht so zu sehen. Gegenüber dem Veranstalter des Konzertes vom vergangenen Wochenende äußerte der Oberbürgermeister unmissverständlich, dass eine öffentliche Positionierung gegen Nazis nicht erwünscht sei, weil dies den sozialen Frieden störe.
Damit wiederholt sich in Delitzsch das, was in vielen sächsischen Städten Gang und Gäbe ist: Opfer von Nazigewalt und die, die sich öffentlich gegen menschenverachtende Einstellungen positionieren, werden zu Tätern gemacht. Das ist ein Skandal!”, so die OrganisatorInnen der Demonstration.

Der Vorfall vom 18.3.2012 ist nicht der erste dieser Art. So wurde der Veranstalter des Ska-Konzertes regelmäßig von Neonazis angegriffen.Regelmäßig berichten zivilgesellschaftliche Gruppen und die Polizei über neonazistische Schmierereien im Ort.
2009/ 2010 wurde ein junger Mann so sehr bedroht, dass er schließlich aus Delitzsch wegzog. Mehrfach wurden auf der Internetseite der örtlichen neonationalsozialistischen „Freien Kräfte“ detaillierte Informationen über ihn, seinen Wohn- und Arbeitsort und seine familiären Verhältnisse veröffentlicht. Verhöhnungen, Verleumdungen und auch tätliche Angriffe waren an der Tagesordnung.
Nicht zuletzt allerdings lebt in der Stadt einer der führenden Kader der NPD in Sachsen, Maik Scheffler. Dieser sitzt nicht nur im Delitzscher Stadtrat, sondern ist auch Vorsitzender der NPD Nordsachsen und stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Sachsen. Er gilt als Begründer des Nazinetzwerkes “Freies Netz” und zentrale Schnittstelle zwischen NPD und “Freien Kräften”.
2009 verkündete er, dass er den Landkreis Nordsachsen zur „zweiten sächsischen Schweiz der NPD“ machen, sprich eine rechte Hegemonie schaffen wolle.
“Dies werden wir nicht dulden! Wir laden die BürgerInnen der Stadt Delitzsch und alle, die sich solidarisch mit den Betroffenen erklären wollen, ein sich uns anzuschließen.”

Die Demonstration beginnt am Sonntag, 25.3.2012, 14 Uhr am Unteren Bahnhof in Delitzsch.

 

LVZ Delitzsch-Eilenbureg, 21.03.2012

Donnerstag, März 22nd, 2012

Schwerverletztes Opfer des Überfalls am Montag am Auge operiert

Ermittlungen nach Prügelattacke im Anschluss an Ska-Konzert dauern an / Veranstalter lobt schnelle Reaktion der Polizei

Delitzsch (red). Ob Ärzte sein Augenlicht retten können, ist auch nach der am Montag in einer Leipziger Spezialklinik erfolgten Operation nicht sicher. Der Tscheche gehörte zu den Besuchern eines Ska-Konzerts im Jugendclub Yoz in Delitzsch, die am Sonntagmorgen Opfer eines brutalen Überfalls wurden (wir berichteten). Der Mittdreißiger wurde am schwersten verletzt, eine Frau erlitt durch einen Schlag gegen den Kopf leichte Verletzungen. Wie es hieß, haben die Verletzten Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

„Ich weiß, dass der Angriff mir galt, es war nicht das erste Mal“, sagte gestern der Veranstalters des Konzerts (Name ist der Redaktion bekannt) der Kreiszeitung. Umso mehr zeigte er sich betroffen, dass „im Prinzip Unbeteiligte“ attackiert wurden. Bei der verletzten Frau handelt es sich um seine Partnerin. „Damit wurde deutlich eine Grenze überschritten, das kann ich nicht akzeptieren“, sagte er weiter und will nun in die Offensive gehen. Die acht Personen, denen in der Mittelstraße aufgelauert wurde, konnten der Polizei genaue Personenbeschreibungen, teils auch Namen mitgeben. „Wir hoffen damit die Ermittlungen zu beschleunigen“, so der Konzertveranstalter. Er lobte ausdrücklich die Polizeibeamten und den Rettungsdienst, die nur wenige Minuten, nachdem der Hilferufe abgesetzt wurde, eintrafen. „Man hat sich sehr umsichtig um uns gekümmert, die Ermittlungen sofort aufgenommen.“ Gute acht Stunden hätten die Betroffenen auf dem Revier zugebracht, um ihre umfangreichen Aussagen zu machen. „Die Beamten bewiesen viel Geduld mit uns, schließlich haben wir das Jugendhaus nicht ganz nüchtern verlassen“, räumte der Delitzscher Konzertveranstalter ein. Er habe sehr wohlwollend mitbekommen, dass die Polizei sehr akribisch Beweise am Tatort gesichert habe. „Leider habe ich auch schon andere Erfahrungen gemacht.“

Der 27-jährige Delitzscher hoffe nun nach dem Vorfall, dass „auch die Stadtverwaltung genauer hin- und nicht wegschaut“. „Wir sind gesprächsbereit.“ Während der Veranstaltung, zu der um die 200 Leute kamen, habe es weder im Inneren noch im Umfeld des Jugendhauses Auseinandersetzungen oder Provokationen irgendwelcher Art gegeben. Der Veranstalter sprach von einer friedlichen, ausgelassenen Stimmung, „alle haben Spaß gehabt, schließlich war es die Geburtstagsparty des Yoz“.