Naziterror entgegentreten – immer und überall

Am Sonntag, den 18. März, kam es zu einem schweren Übergriff von Neonazis auf BesucherInnen eines Ska-Konzertes in Delitzsch. Aufgrund des Angriffs mit einer Flasche wird einer der Betroffenen auf einem Auge wahrscheinlich nie wieder sehen können. Dies ist nur einer von vielen Übergriffen in einer Gegend, die von den Nazis als “national befreite Zone“ beschrieben wird. Dass Regionen wie Nordsachsen oder das Muldental Angsträume für alle Menschen sind, die nicht der von Nazis gesetzten Norm entsprechen, ist hinlänglich bekannt.

In den letzten Jahren war aus Orten wie Delitzsch nicht mehr viel zu hören. Dies liegt aber nicht an den schwächer gewordenen Nazistrukturen, sondern daran, dass es nur noch sehr wenige Menschen gibt, die in das Feindbild der Nazis passen oder die von ihren Aktivitäten berichten könnten. Die meisten linken Menschen haben die Orte verlassen – und wer will es ihnen verübeln. Damit sind viele Dörfer und kleinere Städte fest in der Hand von Nazis. Lediglich die Polizei berichtet hin und wieder noch von regelmäßig gesprühten Hakenkreuzen und anderen nazistischen Aktivitäten in der Region.

Von einer Zivilgesellschaft, die sich in irgendeiner Form gegen den braunen Terror engagiert, kann in den meisten Orten keine Rede sein. Entweder gibt es sie gar nicht oder sie kapitulierte vor den aggressiv agierenden Nazis. Dass es keine nennenswerte Zivilgesellschaft in Sachsen gibt, ist auch eine Folge der mehr als 20 Jahre währenden CDU-Regierung. In den Augen der CDU ist der Kampf gegen Neofaschisten nämlich vorrangig Staatsaufgabe, die Zivilgesellschaft dient dabei nur zum Erhalt der „bürgerlichen“ Fassade. Ernsthaftes Engagement gegen Nazis wird seit jeher kriminalisiert und emanzipatorische Projekte werden nicht gefördert, sondern gegängelt. Das zeigt auch das Verhalten der Stadt nach dem Neonazi-Überfall vom Sonntag. So hat sich der Oberbürgermeister der Stadt Delitzsch bis jetzt noch nicht zu dem Überfall geäußert, geschweige denn sich bei dem schwer Verletzten gemeldet. Das alles erinnert an die bekannten Strategien des Aussitzens, Totschweigens und Ruhe bewahrens. Zu befürchten ist, dass weitere Konzerte mit antifaschistischer Ausrichtung unerwünscht sind. Denn das alles könnte den „sozialen Frieden“ in Delitzsch gefährden. Ein „sozialer Frieden“, der eine neonazistische Hegemonie auf den Straßen meint und einen Angstraum für genau jene Betroffenen darstellt, denen hier noch indirekt die Schuld für die Ereignisse in die Schuhe geschoben wird!

Da die etablierten Parteien die meisten Regionen aufgegeben haben, sind es die Nazis, die sich ihrer angenommen und Strukturen aufgebaut haben. Diese Hegemonie zeigt sich an der massiven Anzahl an Neonaziveranstaltungen, im Besonderen Konzerte, bei denen Sachsen bundesweit Spitzenreiter ist. Für Menschen, die in diesen Gegenden Opfer rechter Gewalt werden, ist auch die Polizei in den meisten Fällen keine Hilfe.

Wir wollen am Sonntag dieser “national befreiten Zone“ einen Besuch abstatten und uns mit den Betroffenen des Übergriffs solidarisch zeigen. Uns ist klar, dass wir mit einer Demonstration nichts an den Zuständen in Delitzsch oder der Region ändern werden, jedoch können wir den Nazis zeigen, dass wir um ihre Strukturen wissen und ihnen in ihrer Homezone keine Ruhe lassen. Es ist an der Zeit, diesem braunen Spuk ein Ende zu setzen. Wir müssen aufhören, uns in unsere Großstädte und Szenekieze zurück zu ziehen und Nazis ihre Basis auf dem Land nehmen. Es ist höchste Zeit etwas zu tun! Ein erster Schritt wird die Demo am 25. März in Delitzsch sein.

Kampf dem Naziterror in der Provinz!

Nazistrukturen aufdecken und zerschlagen!

Linke Strukturen aufbauen!

Sonntag 25.März 13:30Uhr Unterer Bhf- Delitzsch