Demo gegen Rechts zieht durch die Stadt

Delitzsch. Ein Großaufgebot der Polizei in der Stadt, davon zum Teil völlig überraschte Delitzscher, lautstarke verbale Auseinandersetzungen. Das Antifaschistische Netzwerk Leipziger Land hatte gestern Nachmittag zur Demo in Delitzsch geladen. Hintergrund: Der rechte Überfall auf eine Gruppe von Konzertbesuchern in der Nacht zum 18. März (wir berichteten), zu dem inzwischen der Staatsschutz ermittelt. Schon im Vorfeld der Demo und immer wieder während sie durch die Loberstadt zog, wurden Vorwürfe laut, die Delitzscher Stadtverwaltung mache die Opfer zu Tätern.

Von Christine Jacob

„Unwahr“, wehrt sich die Stadtverwaltung in einer Stellungnahme. Man verwahre sich gegen jede Form extremistischer Gewalt, insbesondere aus dem rechten Spektrum. „Delitzsch ist keine Stadt, die Anhängern aus der rechten Szene eine Plattform bietet. Wir sind bunt und möchten dies auch bleiben“, so Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) in dem Rathaus-Statement. Er und weitere Stadtvertreter beobachteten gestern die Demo.
Ab 13 Uhr versammeln sich immer mehr Teilnehmer am Unteren Bahnhof. „Es sind fast nur externe Teilnehmer, kaum jemand von hier, sondern die Leipziger“, bedauert Landtagsabgeordneter Thomas Kind (Die Linke) angesichts der rund 250 Menschen. Zu spät hätte man hier vor Ort davon erfahren, keine Chance gehabt, auch ein „Gesicht zeigen“ der Delitzscher zu organisieren. Nach kurzer Kundgebung am Unteren Bahnhof, man demonstriere „für die Menschen hier“ setzt sich der Zug kurz nach 14 Uhr in Bewegung. Erstes Stocken wenig später: Verbal prallen Linke und Rechte, die wenige hundert Meter weiter in der Eilenburger Straße stehen, zum ersten Mal an diesem Nachmittag aufeinander. Die mahnenden Worte kommen wie mehrfach in diesen drei Stunden Demo aus dem Wagen der Demo-Organisatoren: „Lasst Euch nicht provozieren!“
Langsam geht es weiter über die rund drei Kilometer lange Strecke. Am Nordplatz, wenige Meter weiter fand der Überfall statt, gegen 15.15 Uhr eine weitere Kundgebung: Von einem schweren Imageschaden für die Stadt ist die Rede. Die lokalen Politiker würden sich lieber nach trügerischer Ruhe sehnen, als sich gegen rechte Gewalt zu stellen.
Weiter zieht der Tross die Bitterfelder Straße stadteinwärts – erreicht gegen 16 Uhr den Roßplatz, an der Wallgrabenbrücke hat sich eine Gruppe Rechter versammelt. Der verbale Schlagabtausch scheint kurz vor dem Kippen in einen körperlichen, als ein Demonstrant sich in Richtung der rechten Gruppe aufmacht. Die Polizei, alle Einsatzkräfte haben inzwischen ihre Helme aufgesetzt, bekommt die Situation allerdings schnell wieder in den Griff, kontrolliert sämtliche Nebenstraßen entlang der weiteren Route noch genauer. In der Bismarckstraße herrscht so Ruhe, bevor die Situation sich am Unteren Bahnhof, Ausgangs- und Endpunkt der Demo, wieder verschärft. Die Polizei, tönt es aus den Lautsprechern der Demo-Organisation, soll den Konzertveranstalter mitgenommen haben. Ordnungshüter und Demonstranten prallen nun auch körperlich aufeinander. Erst als der Mann wieder aus dem Polizeiauto klettert, kehrt Ruhe ein. Um 17 Uhr ist die Demo offiziell beendet.