Hier die Pressemitteilung vom Antifaschistischen Netzwerk Leipziger Land zur Demonstration. Weitere Berichte mit Fotos, folgt die Tage. Wir danken allen AntifaschistInnen, die mit uns heute in Delitzsch waren.

Am Sonntag, 25.3.2012 demonstrierten in Delitzsch (Landkreis Nordsachsen) 250 Menschen gegen Nazis. Die Demonstration war eine Reaktion auf den gewalttätigen Nazi-Übergriff im Anschluss an ein Ska-Konzert am vergangenen Wochenende in Delitzsch. Dabei waren zwei Menschen verletzt worden, einer davon so schwer, dass er wahrscheinlich auf einem Auge nie wieder sehen werden kann. Die Nazis hatten den Veranstalter des Ska-Konzertes erkannt und waren auf ihn und seine BegleiterInnen losgegangen. Der Betroffene ist ihnen ein Dorn im Auge, denn er positioniert sich mit seinen Kulturveranstaltungen eindeutig gegen Nazis.

„Die alltägliche Bedrohung durch Nazis, die unter anderem nicht-rechte Menschen in sächsischen Orten zu spüren bekommen, ist unerträglich. Noch unerträglicher ist allerdings die Reaktion der Delitzscher Stadtpolitik, die einem Betroffenen des Übergriffs unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass er selbst schuld sei, wenn er sich öffentlich gegen Nazis positioniere.“ so die OrganisatorInnen der Demonstration.

Die Menschen, die sich am Sonntag mit den Betroffenen solidarisierten, ließen sich auch durch die massive Präsenz von Nazis nicht einschüchtern, die sich in der Stadt versammelt hatten und immer wieder versuchten, die antifaschistische Demonstration zu stören. In verschiedenen Redebeiträgen wurde diese rechte Hegemonie thematisiert. Die Ska-Band „Die Tornados“ forderte von der Stadtverwaltung endlich tätig zu werden, indem sie beispielsweise alternative, nicht rechte Jugendkulturen fördern solle, statt diese auch noch zu behindern.

Am Ende der Demonstration kam es zu einem skandalösen Zwischenfall. Ein Polizeibeamter, der auch bei anderen Gelegenheiten schon durch gewaltsame Übergriffe aufgefallen ist, ging brutal gegen einen der Ordner der Demonstration vor. Es handelte sich hierbei um den Veranstalter des Konzertes am vergangenen Wochenende.
„Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei aufs schärfste. Der sinnlose Zugriff der Beamten ist ein weiterer Schlag ins Gesicht des Betroffenen, der mit den Folgen des Naziübergriffs und der Ignoranz und den Anschuldigungen der Stadtpolitik sowieso schon genug zu kämpfen hat.“

Die massive Präsenz der Neonazis während der Demonstration war offensichtlich ein Versuch die eigene Hegemonie aufrechtzuerhalten. Störungen des von ihnen dominierten Normalzustandes, wie Konzerte, die sich klar gegen rechts positionieren oder antifaschistische Demonstrationen, zeigen das Ausmaß der Zustände in Delitzsch. Doch die sonst alltäglich herrschende „Friedhofsruhe“ darf eben nicht mit „sozialem Frieden“ verwechselt werden, wie dies der Oberbürgermeister der Stadt noch letzte Woche tat. Es gilt, hier anzusetzen und immer wieder gegen die rechte Dominanz zu intervenieren. Das Bedrohungsszenario für die Betroffenen darf in dieser Art und Weise nicht alltäglich bleiben!