Impressionen von der Demo und was danach noch alles geschrieben wurde

Noch ein paar Fotos von der Demo in Delitzsch. Weitere Fotos auch bei flickr. Die Pressemitteilung vom Antifaschistischen Netzwerk Leipziger Land hier. Weitere Presse zur Demonstration und alles was noch geschrieben oder in Interviews gesagt wurde, findet ihr bei Presse. Und wir wollen auch noch auf den Redebeitrag der Tornados hinweisen, hier. Nicht zu vergessen der „Deuse des Jahres“ für Delitzsch, wir drücken ganz fest die Daumen, damit es da dieses Jahr noch zu einer Verleihung kommt. Bleibt eigentlich nur zu sagen, schaut doch mal öfter in der braunen Provinz vorbei und helft den Menschen dort vor Ort. Für Nazis und ihre UnterstützerInnen darf es keine ruhige Minute geben, nicht in Delitzsch, Geithain, Mügeln oder anderswo.

 

Redebeitrag der Tornados auf der Demonstration

Stellungnahme der Tornados:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir sind hier zur Demonstration erschienen um uns mit Toni, dem Veranstalter des Ska – Konzertes letzter Woche und seinen Freunden zu solidarisieren, die feige von Neonazis angegriffen wurden. Die Tornados haben aufgrund ihrer Geschichte in dieser Stadt einige Erfahrungen sammeln können. Dabei wird vor allem eines deutlich: Seit Ende der Neunziger bis Anfang 2000 hat sich die Politik und das Verhalten der Stadt Delitzsch gegenüber Opfern faschistischer Übergriffe nicht geändert! Die Opfer werden immer noch zu Tätern gemacht.

‚Redebeitrag der Tornados auf der Demonstration‘ weiterlesen

1.Bericht zur Demonstration

Hier die Pressemitteilung vom Antifaschistischen Netzwerk Leipziger Land zur Demonstration. Weitere Berichte mit Fotos, folgt die Tage. Wir danken allen AntifaschistInnen, die mit uns heute in Delitzsch waren.

Am Sonntag, 25.3.2012 demonstrierten in Delitzsch (Landkreis Nordsachsen) 250 Menschen gegen Nazis. Die Demonstration war eine Reaktion auf den gewalttätigen Nazi-Übergriff im Anschluss an ein Ska-Konzert am vergangenen Wochenende in Delitzsch. Dabei waren zwei Menschen verletzt worden, einer davon so schwer, dass er wahrscheinlich auf einem Auge nie wieder sehen werden kann. Die Nazis hatten den Veranstalter des Ska-Konzertes erkannt und waren auf ihn und seine BegleiterInnen losgegangen. Der Betroffene ist ihnen ein Dorn im Auge, denn er positioniert sich mit seinen Kulturveranstaltungen eindeutig gegen Nazis.

„Die alltägliche Bedrohung durch Nazis, die unter anderem nicht-rechte Menschen in sächsischen Orten zu spüren bekommen, ist unerträglich. Noch unerträglicher ist allerdings die Reaktion der Delitzscher Stadtpolitik, die einem Betroffenen des Übergriffs unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass er selbst schuld sei, wenn er sich öffentlich gegen Nazis positioniere.“ so die OrganisatorInnen der Demonstration.

Die Menschen, die sich am Sonntag mit den Betroffenen solidarisierten, ließen sich auch durch die massive Präsenz von Nazis nicht einschüchtern, die sich in der Stadt versammelt hatten und immer wieder versuchten, die antifaschistische Demonstration zu stören. In verschiedenen Redebeiträgen wurde diese rechte Hegemonie thematisiert. Die Ska-Band „Die Tornados“ forderte von der Stadtverwaltung endlich tätig zu werden, indem sie beispielsweise alternative, nicht rechte Jugendkulturen fördern solle, statt diese auch noch zu behindern.

Am Ende der Demonstration kam es zu einem skandalösen Zwischenfall. Ein Polizeibeamter, der auch bei anderen Gelegenheiten schon durch gewaltsame Übergriffe aufgefallen ist, ging brutal gegen einen der Ordner der Demonstration vor. Es handelte sich hierbei um den Veranstalter des Konzertes am vergangenen Wochenende.
„Wir verurteilen das Vorgehen der Polizei aufs schärfste. Der sinnlose Zugriff der Beamten ist ein weiterer Schlag ins Gesicht des Betroffenen, der mit den Folgen des Naziübergriffs und der Ignoranz und den Anschuldigungen der Stadtpolitik sowieso schon genug zu kämpfen hat.“

Die massive Präsenz der Neonazis während der Demonstration war offensichtlich ein Versuch die eigene Hegemonie aufrechtzuerhalten. Störungen des von ihnen dominierten Normalzustandes, wie Konzerte, die sich klar gegen rechts positionieren oder antifaschistische Demonstrationen, zeigen das Ausmaß der Zustände in Delitzsch. Doch die sonst alltäglich herrschende „Friedhofsruhe“ darf eben nicht mit „sozialem Frieden“ verwechselt werden, wie dies der Oberbürgermeister der Stadt noch letzte Woche tat. Es gilt, hier anzusetzen und immer wieder gegen die rechte Dominanz zu intervenieren. Das Bedrohungsszenario für die Betroffenen darf in dieser Art und Weise nicht alltäglich bleiben!

Letzte Infos

Zu den Auflagen können wir nicht viel Neues sagen, das wichtigste steht eigentlich schon hier.

Während der Demo wird ein Ermittlungsausschuss (EA) aktiv sein. Der EA hilft euch, wenn ihr vor, während oder nach der Demo Stress mit der Polizei bekommt, also beispielsweise in Gewahrsam genommen werdet. Ruft den EA an, wenn ihr selbst betroffen oder ZeugInnen seid. Bitte informiert den EA auch dann, wenn ihr wieder aus dem Gewahrsam entlassen werdet.

Telefonnummer: 0341 / 211 93 13

Noch ein paar Tipps zur Anreise:

  • versucht den Cops keinen Anlass zu geben euch an der Abfahrt zu hindern
  • findet euch vorher zu Bezugsgruppen zusammen und kümmert euch schon rechtzeitig um Tickets
  • wartet nicht ewig am Treffpunkt, begebt euch wenn ihr alles habt schon zum Gleis 13

GANZ WICHTIG! HEUTE NACHT WIRD DIE ZEIT UMGESTELLT (um 2Uhr vor auf 3Uhr, „die Nacht ist also 1 Stunde kürzer“) ALSO NICHT VERPENNEN!

News

Kurze Zwischenmeldung zu unseren Auflagen:

Wir haben mit unserem Eilantrag gegen 10 Auflagen für die Demonstration am Sonntag Erfolg gehabt.
Eigentlich auf ganzer Linie. Die zahlenmässige Begrenzung von Transparenten, Fahnen und Flyer ist aufgehoben. Das heisst auch, dass es Seitentransparente ohne Ende geben darf. Auch das Verbot von „Uniformierung“, Bomberjacken, Springerstiefeln etc ist gekippt. Ebenso dürfen wir unsere Beschallung dafür nutzen um Menschen, die sich in Delitzsch aufhalten (AnwohnerInnen, VerkehrsteilnehmerInnen) „abzulenken“, zu „belästigen“ und „zu stören“ – schliesslich will eine Demonstration Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen.

Genauere Informationen zu den Auflagen, weitere Tipps zur Anreise und hoffentlich dann auch zum EA werden heute Abend nochmal veröffentlicht, damit ihr für morgen bestens informiert seid, also schaut nochmal vorbei.

Weitere Informationen aus Delitzsch/Pressemitteilung

Weitere Hintergründe und Informationen zum Übergriff und dem Verhalten der Stadt bei Radio Corax:

Wir sind schockiert & fassungslos!

Nach dem letzten Wochenende mussten wir vom Naziüberfall in Delitzsch auf den Veranstalter und Gäste eines Konzerts mit den Tornados, Johnny Wolga und Skarface hören. Einer der Angegriffenen liegt immer noch schwerverletzt im Krankenhaus, wo er wiederholt operiert werden musste und mit hoher Wahrscheinlichkeit einseitig erblinden wird. Dass Menschen, die ins Feindschema der Nazis passen, in einigen Regionen kontinuierlich in Lebensgefahr schweben, ist für Radio CORAX an sich schon ein nicht hinnehmbarer Fakt. Was wir aber nun aus Delitzsch hören müssen, empfinden wir als derartig skandalös, dass wir nicht nur via Rundfunk darauf aufmerksam machen möchten.

‚Weitere Informationen aus Delitzsch/Pressemitteilung‘ weiterlesen

Aktuelle Informationen

Unser Aufruf ist endlich fertig, ihr könnt ihn euch hier durchlesen. Eine Pressemitteilung von uns findet ihr hier. Ebenfalls haben wir den Auflagenbescheid für die Demonstration erhalten. Eigentlich ist es eine „Verfügung“, die die „Extremismusdoktrin“ der sächsischen Politik nun auch bei Demonstrationen umsetzt. So haben wir einen Bescheid erhalten der 1 zu 1 für Nazidemonstrationen verwendet wird.

„Nazis und AntifaschistInnen sind doch ein und dasselbe, da können sie doch auch die gleichen Auflagen bekommen“, scheint mensch sich in Delitzsch gedacht zu haben. Vielleicht wissen die Herren und Damen des Landratsamt auch gar nicht, dass es auch noch was anderes als Nazidemonstrationen gibt, wir wissen es nicht, wollen euch aber die „Highlights“ unserer Auflagen nicht vorenthalten.

Wir haben uns jedenfalls über einige Auflagen sehr amüsiert und den Auflagenbescheid einen Anwalt weitergegeben. Dieser hat 10 Widersprüche formuliert und ans Gericht weitergegeben. Wir informieren euch so schnell wie möglich über die Entscheidung.

 

1.6 Es dürfen 10 Fahnen sowie Transparente, verteilt auf den gesamten Aufzug, mitgeführt werden.

a. Von den 10 Transparenten dürfen zwei als Seitentransparente, nicht länger als 3 m und verteilt je eines auf der linken und rechten Seite des Aufzuges, und ein Frontransparent geführt werden…

b. Je 50 zusätzlicher als 200 der angezeigten Teilnehmer der Versammlung darf eine weitere Fahne sowie ein weiteres Transparent mitgeführt werden.

d. Geführt werden dürfen die Bundesflagge, die Fahnen der Bundesländer sowie der nicht verbotenen Parteien und Vereine. Die Transparente haben sich themenbezogen auf das Motto des Aufzuges zu beziehen.

e. Die Anzahl der mitgeführten Druckerzeugnisse (Flugblätter, Handzettel, Infohefte) wird entsprechende der Anmeldung auf insgesamt 2000 Stück begrenzt.

g. Durch das Verteilen von Flugblättern, Handzetteln, sonstigen Druckmedien und Werbeartikeln darf keine Belästigung und / oder Nötigung zur Annahme selbiger für Teilnehmer oder unbeteiligte Dritte entstehen.

i. Das Mitführen und Benutzen von Fackeln, Kerzen und / oder Grablichtern oder ersatzweiser Leuchtmittel im Aufzug zu den Kundgebungen ist untersagt.

j. Das Mitführen und Benutzen von Trommeln, Fanfaren und ähnlichen Musikinstrumenten sowie Fahnen, Transparenten und Spruchbändern strafbaren Inhalts ist untersagt. Insbesondere ist das Mitführen und Benutzen von Kunststoffplakaten in den Größen A1 bis A0 untersagt. Ebenso ist die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie das Tragen von Uniformen, Uniformteilen oder gleichartigen Kleidungsstücken als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung untersagt. Insbesondere ist das Tragen von Springerstiefeln, Stahlkappenschuhen, Bomberjacken, Tarnbekleidung und militärische Kopfbedeckung einzeln und in Verbindung miteinander untersagt.

1.8 Das geschlossene Marschieren in Blöcken, Zügen und Reihen und im Gleichschritt ist untersagt.

1.10 …

d. Es dürfen keine Sirenensignale, Kampf- oder Detonationsgeräusche wiedergegeben werden…

Wir halten fest, „Oldschool Nazis“ dürfen nicht auf unsere Demo, aber „(Alt-) Autonome“ mit Lederjacken schon, na dann.

Rückblick

So lange es den Aufruf zur Demonstration am Sonntag noch nicht gibt, empfehlen wir euch die Texte aus dem Jahre 2000 durchzulesen. Die letzte größere Antifa-Demonstration gab es am 4.November 2000 in Delitzsch unter dem Motto:

Delitzsch nicht in Nazihand – den „Pakt“ von Nazis und Behörden angreifen!

Damals demonstrierten rund 800 AntifaschistInnen in Delitzsch. Nazis wollten damals gegen die Antifa-Demo aufmarschieren, weshalb die Antifa-Demo dann verboten wurde. Das Verbot hielt jedoch nicht stand. Eine kleine Presseschau von damals findet sich hier.

Die Aufrufe von damals findet ihr hier.

Das Plakat von 2000:

 

Infos

Hier werdet ihr in kürze alle Informationen zur Antifa-Demonstration am kommenden Sonntag (25.3.) um 13:30Uhr in Delitzsch finden.